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Vorgangsweise zur Rekapitalisierung von too-big-too-fail Banken
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Beitrag #58594 | 02.07.2013 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Vorgangsweise zur Rekapitalisierung von too-big-too-fail Banken
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Programmantrag direkt: Thema 1486
Ereignis: Neues Thema
Phase: Neu (14 days 23:59:28 left)
i3286: Vorgangsweise zur Rekapitalisierung von too-big-too-fail Banken
Zitat:
Die Piratenpartei Österreichs möge untenstehenden Programmpunkt an geeigneter Stelle in ihr Programm aufnehmen:
Antrag
Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Banken und Versicherungen
Bankenkrise
Die Piratenpartei Österreichs fordert die Umsetzung des Vorschlages der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zur künftigen Vermeidung von Bankenkrisen. Konkret befürwortet sie die Vorschläge aus dem Dokument A template for recapitalising too-big-to-fail banks , die folgende drei Schritte umfassen: 
Im ersten Schritt leitet die Bankenaufsicht eine erzwungene Rekapitalisierung des betroffenen Instituts ein, sobald sie zum Schluss gekommen ist, dass die Eigenkapitaldecke der Bank den Anforderungen nicht mehr genügt. Dazu legt die Behörde fest, wie hoch die Eigenkapitalquote sein muss, um jeglichen Zweifel an der Solvenz des Instituts auszuräumen, und sie stellt sicher, dass diese Zielquote unmittelbar erreicht wird, indem sie nach- und gegebenenfalls auch vorrangige Forderungen im nötigen Umfang in Eigenkapital wandelt. Im Gleichschritt mit dieser Zwangsumwandlung geht die Bank in das Eigentum einer neu gegründeten Holdinggesellschaft über. Diese Gesellschaft gehört den ehemaligen Aktionären der Bank sowie denjenigen Gläubigern, deren Forderungen von der Aufsichtsbehörde gewandelt wurden.
Die Maßnahmen des ersten Schrittes erlauben im zweiten Schritt die Fortführung der Bankgeschäfte, gegebenenfalls mit neuen Management. Dadurch kann die Bank bei Bedarf frisches Fremdkapital aufnehmen, ohne dass sich daraus Unklarheiten in Bezug auf den rechtlichen Status der neuen Verbindlichkeiten ergeben. Im Verbund mit der gestärkten Eigenkapitaldecke der Bank bietet dies Gewähr dafür, dass der Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung und störungsfrei weitergeführt werden kann.
Im dritten Schritt verkauft die Holdinggesellschaft nach einiger Zeit die Bank an den oder die Meistbietenden und wird im Anschluss daran liquidiert. Da das Finanzinstitut im Vorfeld des Verkaufs ohne Betriebsunterbrechung agieren konnte, es mit einer gesunden Bilanzstruktur ausgestattet ist und der Verkauf nicht unter Zeitdruck stattfindet, kann ein Verkauf der Bank oder seiner Aktiven unter Wert vermieden werden.  
Begründung
Der Vorschlag erlaubt eine einfache und transparente Rekapitalisierung eines Finanzinstituts, selbst wenn dessen Verbindlichkeiten komplex strukturiert sind und er ist sehr schnell umsetzbar (in einem Wochenende). Er nimmt keine öffentlichen Mittel in Anspruch, sondern macht die Eigentümer und Gläubiger der Bank für Verluste haftbar, die zur Unterkapitalisierung des Instituts geführt haben.
Neben dem Eigenkapitalisierungsgrad der Bank vor der Zwangsumwandlung und der angestrebten Eigenkapitalausstattung danach muss die Aufsichtsbehörde zum Zeitpunkt ihres Eingreifens lediglich die Rangfolge der bestehenden Verbindlichkeiten kennen. Die Bewertung dieser Verbindlichkeiten hingegen wird dem Markt überlassen. Auch der Einbezug versicherter Depositen stellt konzeptionell kein unüberwindbares Problem für den Sanierungsmechanismus dar. So könnte ein Einlagensicherungsfonds der Bank Mittel zur Verfügung stellen und im Gegenzug vorrangiger Gläubiger der Holdinggesellschaft werden, falls die Umwandlung nachrangiger Forderungen nicht zur Rekapitalisierung genügt.
Den Geldgebern (Sparern) wird bei dieser Lösung ihr Vermögen nicht weggenommen ("haircut"), sondern es wird in Eigenkapital umgewandelt. Die Rechtssicherheit für Investoren wird damit gewährleistet. Sie werden Miteigentümer und bei einer erfolgreichen Restrukturierung der Bank besteht die Chance, nur einen kleinen Teil des eingesetzten Kapitals zu verlieren. 
Quellen
Vorschlag weitgehend übernommen von: Dirk Niepelt, Ökonomenstimme.org: Bail-in (1. Juli 2013)
burnoutberni

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Beitrag #62107 | 18.07.2013 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Vorgangsweise zur Rekapitalisierung von too-big-too-fail Banken
Langsam und zum mitschreiben bitte:
Zitat:
Im ersten Schritt leitet die Bankenaufsicht eine erzwungene Rekapitalisierung des betroffenen Instituts ein, sobald sie zum Schluss gekommen ist, dass die Eigenkapitaldecke der Bank den Anforderungen nicht mehr genügt. Dazu legt die Behörde fest, wie hoch die Eigenkapitalquote sein muss, um jeglichen Zweifel an der Solvenz des Instituts auszuräumen,
Wie wird diese Quote von der Behörde ermittelt? Welche Richtlinien gelten hier? URG? ^^
Zitat:
und stellt sicher, dass diese Zielquote unmittelbar erreicht wird, indem sie nach- und gegebenenfalls auch vorrangige Forderungen im nötigen Umfang in Eigenkapital wandelt.
Irgendwie kam durch die Formulierung für mich am Anfang nicht klar heraus, dass hier Forderungen AN der Bank gemeint sind, und nicht Forderungen der Bank.
Wie sind hier nach- und vorrangige Forderungen definiert?
Zitat:
...
Der Sparer wird Eigentümer, das klingt ja gar nicht so schlecht. Wie aber sind hier Kleinsparer geschützt? Wenn meine Einlage von Hausnummer 5.000€ gewandelt wird, habe ich defacto 0 Rechte im Unternehmen und die Einlage liegt in der Geiselhaft der (neuen) Großbeteiligten, die unter Umständen gar nicht im Interesse des Unternehmens handeln.

Spontane Idee: Sparern unter x€ Einlage (sofern sie von der Umwandlung betroffen sind) die Möglichkeit geben ihren neugewonnenen Anteil zum Einlagewert an den Staat abzutreten.
Betriebsdirektor
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Beitrag #62110 | 18.07.2013 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Vorgangsweise zur Rekapitalisierung von too-big-too-fail Banken
(18.07.2013 )burnoutberni schrieb:  
Langsam und zum mitschreiben bitte:
Zitat:
Im ersten Schritt leitet die Bankenaufsicht eine erzwungene Rekapitalisierung des betroffenen Instituts ein, sobald sie zum Schluss gekommen ist, dass die Eigenkapitaldecke der Bank den Anforderungen nicht mehr genügt. Dazu legt die Behörde fest, wie hoch die Eigenkapitalquote sein muss, um jeglichen Zweifel an der Solvenz des Instituts auszuräumen,
Wie wird diese Quote von der Behörde ermittelt? Welche Richtlinien gelten hier? URG? ^^

Die da zum Beispiel: http://ec.europa.eu/internal_market/bank...dex_de.htm


(18.07.2013 )burnoutberni schrieb:  
Zitat:
und stellt sicher, dass diese Zielquote unmittelbar erreicht wird, indem sie nach- und gegebenenfalls auch vorrangige Forderungen im nötigen Umfang in Eigenkapital wandelt.
Irgendwie kam durch die Formulierung für mich am Anfang nicht klar heraus, dass hier Forderungen AN der Bank gemeint sind, und nicht Forderungen der Bank.
Wie sind hier nach- und vorrangige Forderungen definiert?

Die Bank nimmt ihrerseits auch Kredite verschiedener Art auf. Das ergibt sich aus verschiedenen Gründen, die Bank braucht beispielsweise Liquidität, wenn geschöpftes Giralgeld von einer Bank zur anderen transferiert wird. Der Preis dieser Liquidität hängt davon ab, wie die Bank das besichern kann (beispielsweise mit griechischen Staatsanleihen), etc.

Das Problem in Österreich mit der Hypo Alpe Adria war, dass die anderen österr. Banken (Raiffeisen, Erste) nicht wollten dass die Pleite geht, weil sonst die Millionen, die diese zu fetten Zinssätzen der HAA geborgt hatten, weg gewesen wären (Abschreibeposition -> Gewinneinbruch). So haben die Banken dann halt das Kaninchen mit dem Namen "Systemrelevanz" aus dem Hut gezaubert und so den Politikern Angst gemacht. Die haben "Partizipationskapital" eingeschossen und die Banken haben geschaut, dass sie schnell aus dem Risiko herauskommen - für das sie vorher abkassiert haben.


(18.07.2013 )burnoutberni schrieb:  
Der Sparer wird Eigentümer, das klingt ja gar nicht so schlecht. Wie aber sind hier Kleinsparer geschützt? Wenn meine Einlage von Hausnummer 5.000€ gewandelt wird, habe ich defacto 0 Rechte im Unternehmen und die Einlage liegt in der Geiselhaft der (neuen) Großbeteiligten, die unter Umständen gar nicht im Interesse des Unternehmens handeln.

Spontane Idee: Sparern unter x€ Einlage (sofern sie von der Umwandlung betroffen sind) die Möglichkeit geben ihren neugewonnenen Anteil zum Einlagewert an den Staat abzutreten.

Das halte ich für zu kompliziert und auch nicht notwendig. Der Kleinsparer muss nicht beteiligt werden um das dann wieder an den Staat zu verkaufen. Der kann nach wie vor per Einlagensicherung direkt entschädigt werden, denn der ist nicht das Problem. In der Beschreibung steht das eh drin:

So könnte ein Einlagensicherungsfonds der Bank Mittel zur Verfügung stellen und im Gegenzug vorrangiger Gläubiger der Holdinggesellschaft werden, falls die Umwandlung nachrangiger Forderungen nicht zur Rekapitalisierung genügt.

Der Einlagensicherungsfonds erhält dann auch (die gesammelten) Rechte (der Kleinsparer) am Institut. Das Problem ist, die Einlagensicherung auf "unlimited" zu setzen (so wie das eben passiert ist). Die muss man auf "limited" lassen. Die großen Geldgeber (wohl hauptsächlich andere Banken) werden dann halt Eigentümer. Wichtig ist, dass sie so nicht mehr aus der Verantwortung herauskommen, während sie den Verlust nicht sofort in ihre Bücher schreiben müssen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.07.2013 10:28 von Betriebsdirektor.)
burnoutberni

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Beitrag #62118 | 18.07.2013 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Vorgangsweise zur Rekapitalisierung von too-big-too-fail Banken
Danke für deine Erklärungen Smile
Liquid
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Beitrag #64223 | 01.08.2013 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Programmantrag direkt
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Programmantrag direkt: Thema 1486
Ereignis: Thema hat die nächste Phase erreicht
Phase: Eingefroren (14 days 23:59:15 left)
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Beitrag #67124 | 16.08.2013 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Programmantrag direkt
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Programmantrag direkt: Thema 1486
Ereignis: Thema hat die nächste Phase erreicht
Phase: Abstimmung (14 days 23:59:18 left)




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