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Freie Mitarbeiter fördern
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Beitrag #9462 | 11.12.2012 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Freie Mitarbeiter fördern
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Meinungsbild (5–6 Tage): Thema 802
Ereignis: Neues Thema
Phase: Neu (noch 1 Tag 05:58:42)
i1634: Freie Mitarbeiter fördern
Zitat:
Umfrage:
Text
Arbeit und Soziales
Arbeitsrecht
Freie Mitarbeiter
Die Piratenpartei Österreichs fordert eine Entlastung und Förderung der freien Mitarbeiter.
Begründung
So wie wir Selbständige fördern wollen sollten wir auch freie Mitarbeiter fördern.
* barbarakaufmann: Protestmüde
"Und man kann nicht 10 qualitativ hochwertige, ausrecherchierte Beiträge a 3 Interviews und 20 Stunden Literaturstudium Minimum pro Beitrag im Monat produzieren. Das müsste man aber, wenn man ca 3000 Euro brutto verdienen möchte. Man schafft höchstens 4. Und das auch nur, wenn man an Wochenenden arbeitet und in der Nacht. Da ist man dann am Monatsende bei 1200 Euro brutto. Und fertig. Erschöpft, ausgelaugt. Bereitet aber bereits die nächste Geschichte vor, liest sich ins übernächste Wissenschafts- oder Politthema ein. Oder steckt schon mitten in den Vorarbeiten für die kommende Sozialreportage."
* Richard_Sennett:Der_flexible_Mensch
"In seinem Werk Der flexible Mensch (The Corrosion of Character), 1998, beschreibt Sennett die Auswirkungen des neuen Flexiblen Kapitalismus auf den Charakter. Durch die Flexibilisierung der Arbeitswelt verlieren Wertvorstellungen und Tugenden an Bedeutung: z.B. Treue, Verantwortungsbewusstsein und Arbeitsethos ebenso wie die Fähigkeit, auf sofortige Befriedigung von Wünschen zu verzichten und Ziele langfristig zu verfolgen. Gründe für diese Entwicklung sind die Beschleunigung der Arbeitsorganisation, die stetig wachsenden Leistungsanforderungen, die zunehmende Unsicherheit der Arbeitsverhältnisse sowie die Notwendigkeit, jederzeit aus beruflichen Gründen den Wohnort zu wechseln.
Auch auf der Makroebene konstatiert Sennett einen tiefgehenden Wandel. Er untersucht, nachdem er sich mit der Geschichte der Industriearbeit auseinandergesetzt hat, den Übergang vom ausgebildeten Industriekapitalismus, dem Fordismus, zu einem System der Flexiblen Spezialisierung. Beispielsweise wurde in der Automobilindustrie die Fließbandproduktion in einer Fabrik abgelöst von spezialisierten Produktions- und Zuliefererbetrieben, die ihren Standort und ihre Arbeitsabläufe ständig flexibel den Notwendigkeiten der globalisierten Wirtschaft anpassen. Strenge Hierarchien sind teilweise durch kleine ‚selbstverantwortliche Gruppen’ mit hohem Risiko abgelöst worden. Der Druck auf den Einzelnen, der sich auch in einem gewandelten Verständnis des Zeitbegriffs zeigt, steigt immens. Hinzu kommt eine engmaschige Überwachung der gesamten Produktionsprozesse - einschließlich der Arbeitenden - durch den Einsatz moderner Kommunikationsmittel. Zudem beschreibt Sennett einen Konflikt zwischen Werten, die Eltern ihren Kindern weitergeben möchten und solchen, die deren Berufsleben bestimmen.
All dies trage zu einer Atmosphäre von Angst, Hilflosigkeit, Instabilität und Verunsicherung in weiten Teilen der Gesellschaft bei. Diese Instabilität und Verunsicherung lassen nach Sennett eine Ellenbogengesellschaft entstehen. Die Schere zwischen Arm und Reich werde größer. Die Mittelschichten werden ausgedünnt. Dort sei eine Polarisierung zwischen einer kleineren Gruppe von Profiteuren und einer großen Anzahl von Verlierern des neuen Systems zu beobachten."
Bitte mit Anregungen zu Text und Begründung beitragen!
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Beitrag #9463 | 11.12.2012 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Meinungsbild (5–6 Tage)
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Meinungsbild (5–6 Tage): Thema 802
Ereignis: Thema hat die nächste Phase erreicht
Phase: Diskussion (noch 1 Tag 05:58:18)
Betriebsdirektor
deaktiviert
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Beitrag #9561 | 11.12.2012 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Meinungsbild (5–6 Tage)
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Zitat:
Die Piratenpartei Österreichs fordert eine Entlastung und Förderung der freien Mitarbeiter.


Wovon willst du sie entlasten und was willst du konkret fördern?

a) Entlastung: Ein freier Mitarbeiter kann Freiberufler oder Gewerbetreibender sein, seine Entlohnung erfolgt nach Stundenbasis und er hat -wie alle anderen auch- seine Steuern zu zahlen und seinen SV Beitrag zu entrichten. Wenn du das im Vergleich zu anderen Gruppen "entlastest", dann steigt die Anzahl der freien Mitarbeiter, weil dies eine kosteneffizientere Stellung dieser Gruppe bedeutet.

b) Förderung: Wie ist Förderung gemeint? Ist damit gemeint, dass der Staat einem freien Mitarbeiter Geld zustecken soll oder soll er einer anderen Steuerprogression unterliegen oder soll er geringere SV Beiträge bezahlen? In allen Fällen stellt auch dies eine kosteneffizientere Stellung dieser Gruppe dar, die zu einer Erhöhung dieser Form von Erwerbstätigkeit führen wird. Die Konkurrenz wird dafür sorgen, dass die Vorteile sofort wieder auf Null reduziert werden.

Solche Maßnahmen sind untauglich. Tauglich sind Maßnahmen wie Mindeststundenlöhne, die gerichtlich durchsetzbar sind, weil das Gesetz Vereinbarungen die unterhalb dieser Mindeststundenlöhne für unwirksam erklärt. Damit wäre der Weg frei, dass sich ein FM nachträglich (!) seinen Mindeststundenlohn erklagt, auch wenn er vorher aus Konkurrenzgründen einen niedrigeren Lohn vereinbart hat.

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Beitrag #9578 | 11.12.2012 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Mindeststundenlohn für prekär Beschäftigte
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Meinungsbild (5–6 Tage): Thema 802
Ereignis: Neue Initiative
Phase: Diskussion (noch 14:12:35)
i1640: Mindeststundenlohn für prekär Beschäftigte
Zitat:
Meinungsbild
Text
Arbeit und Soziales
Arbeitsrecht
Freie Mitarbeiter
Die Piratenpartei Österreichs fordert einen Mindeststundenlohn für prekär Beschäftigte. 
Begründung
@Barbara Kaufmann: Frau Kaufmann geht es darum, dass sie -unabhängig von ihrem Status als freie Mitarbeiterin- schlicht und einfach ausgebeutet wird. Sie hat viel Konkurrenz am Markt und anders als in unselbstständiger Beschäftigung gelten für sie keine Kollektivverträge, die eine Nivellierung des Lohnes nach unten begrenzen würden. Es fehlt auch ein gesetzlicher Mindeststundenlohn, der den gleichen Effekt haben würde. Es sind von diesem Phänomen darüber hinaus nicht nur freie Mitarbeiter, sondern alle prekär Beschäftigten in Österreich betroffen.
Es gilt also, in einem Gesamtpaket alle Betroffenen zu helfen und nicht eine schlechte Situation so zu fördern, dass sich nichts am Problem ändert und der Preis sich trotz der Förderung weiter nach unten bewegen wird. "Förderungen" sind sinnlos, weil sie am Kernproblem vorbeigehen und sie daher der Markt sofort auffrisst.
@Richard Sennet: Sennet konstatiert völlig richtig, dass sich die Arbeitswelt geändert hat. Aber das trifft nicht nur auf freie Mitarbeiter zu. Gut bezahlte Uni Absolventen heuern heute bei Beratungsfirmen (Bilanzprüfer, IT, Consulting,...) an und werden jahrelang wie ein Wurfpostpackerl um die Welt geschickt. Das sind Angestellte mit guter Bezahlung. Man verspricht ihnen, dass sie "die Welt" sehen, dabei sehen sie nur Flugzeuge und Büroeinrichtungen auf der ganzen Welt, sowie Menschen in unterschiedlichen Hautfarben, die in Anzüge gekleidet sind. Mit "die Welt sehen" hat das wenig zu tun. Man sieht lediglich eine "Berufswelt" global.
Sennet beschreibt in seinem Buch genau so einen Arbeitnehmer (keinen freien Mitarbeiter!), der sich entfremdet fühlt. Das ist allerdings nicht nur ein Ergebnis dieses globalen Herumhetzens, sondern auch ein Resultat einer veränderten Arbeitswelt. Sennet beschreibt in einem späteren Buch (The Craftsman) das Problem, dass die Leute kein Handwerk mehr ausüben, wo sie sich am Ergebnis, am erschaffenen Produkt, erfreuen können. Ein Projektplan ist kein "Produkt", das man herzeigen kann. Ein komplexer Teil eines Computerprogrammes auch nicht. Der Restruktuierungsplan eines Unternehmens ist auch kein phyisches Produkt. Es sind Ergebnisse einer Dienstleistungsgesellschaft, die sich im virtuellen Raum abspielen, aber sehr wohl reale Auswirkungen haben. Das trifft freie Mitarbeiter genau so wie Angestellte.
Daher ist der Antrag in zwei Teile zu teilen: In den Teil der Ausbeutung und den Teil, wo es um sinngebende Arbeit geht. Der erste Teil kann politisch/rechtlich geändert werden (Mindeststundenlohn), weil er einen Auftraggeber beinhaltet. Der zweite Teil hingegen ist das Resultat der Erziehung durch die Eltern und der Wertestruktur einer Gesellschaft. Hier kann man mit Gesetzen wenig ausrichten. Wenn die Wertestruktur besagt, dass man kein Handwerk mehr lernen soll, sondern unbedingt studieren müsse, damit man was werde, dann wird es unweigerlich zu einer gewissen Entfremdung kommen.
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Beitrag #9682 | 12.12.2012 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Meinungsbild (5–6 Tage)
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Meinungsbild (5–6 Tage): Thema 802
Ereignis: Thema hat die nächste Phase erreicht
Phase: Eingefroren (noch 1 Tag 05:59:44)
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Beitrag #9913 | 13.12.2012 | Diese Nachricht in einer Antwort zitieren | Diesen Beitrag einem Moderator melden |
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Re: Meinungsbild (5–6 Tage)
Bundesweite Themen: Wirtschaft, Soziales, Konsumentenschutz
Meinungsbild (5–6 Tage): Thema 802
Ereignis: Thema hat die nächste Phase erreicht
Phase: Abstimmung (noch 2 Tage 11:59:19)




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